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Ein Spaziergang mit Ibsen

Kommen Sie mit auf einen Sparziergang mit dem weltberühmten Dramatiker.

Ibsen's home at Henrik Ibsen's street
Ibsen's home at Henrik Ibsen's street
Photo: VisitOSLO/Didrick Stenersen

In Oslo verbrachte Henrik Ibsen seinen Lebensabend. Nach 27 Jahren des freiwilligen Exils im europäischen Ausland zog Ibsen 1891 hierher. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein international bekannter Schriftsteller und daher eine willkommene Bereicherung des kulturellen Lebens der Hauptstadt.

Bald wurde es für Ibsen zur Gewohnheit, jeden Tag einen Spaziergang von seiner Wohnung zum beliebten Grand Café zu machen, wo er sich angeblich einen Schnaps und ein Glas Bier gönnte. Er verließ das Haus stets zur gleichen Zeit und ging immer denselben Weg, und diese Gewohnheit machte den Schriftsteller auf seinem Spaziergang zu einer lebenden Touristenattraktion.

Wir wandern auf Ibsens Spuren und machen zwischendurch Halt, um unterwegs einige Eindrücke, die an ihn und das Oslo seiner Zeit erinnern, auf uns wirken zu lassen.

In der Arbins gate zur Tür hinaus, den Drammensveien entlang …

Jeden Tag zur selben Stunde verließ Ibsen seine Wohnung in der Arbins gate 1. Wenige Meter vor seiner Haustür verlief die Straße Drammensveien, die heute zu Recht Henrik Ibsens gate heißt. Auf dieser Straße gelangte er in die Innenstadt. Worüber der alte Schriftsteller nachdachte, wenn er durch sein nobles Viertel spazierte, kann man nur vermuten, aber er konnte zweifellos auf eine beachtliche Karriere zurückblicken.

Ibsens Schaffen kann nicht hoch genug bewertet werden. Er wurde als Vater des Prosadramas und des modernen Theaters bezeichnet. Sein Name wird im gleichen Atemzug wie Shakespeare genannt, und er hat unter anderem Joyce, Shaw, und O’Neill entscheidend beeinflusst. Seine Werke wurden in 78 Sprachen übersetzt (und es kommen immer noch neue Sprachen hinzu), und seine Stücke werden überall auf der Welt aufgeführt.

... links abbiegen, vorbei am Nationaltheater ...

Ibsen in front of Oslo's National Theatre
Ibsen in front of Oslo's National Theatre
Photo: VisitOSLO/Didrick Stenersen

Das Nationaltheater in Oslo wurde 1899 eröffnet. Ibsen hatte sich vorher für den Bau des Theaters an dieser Stelle, mitten im Herzen von Oslo, eingesetzt und konnte nun seine Fertigstellung beobachten, wenn er daran vorbeiging. Heute wacht sein bronzener Doppelgänger über das Gebäude, das seit mehr als einem Jahrhundert ein wichtiges Ibsen-Labor ist.


Am Nationaltheater werden Ibsens Stücke immer wieder auf traditionelle sowie auf neuartige Weise interpretiert, intellektuell oder konventionell inszeniert, analysiert und bearbeitet. Jeden zweiten Herbst stehen hier auf dem Ibsen Festival, auf dem sich Theaterensembles aus mehreren Ländern treffen, Aufführungen, künstlerischer Austausch und Experimente rund um die nach wie vor fesselnden Stücke Ibsens im Mittelpunkt. 

… weiter zur Straße Karl Johan gate …

Um die Jahrhundertwende war Oslos Hauptstraße Karl Johan die Paradestraße der Mittel- und Oberschicht der Stadt. Wenn Ibsen die Karl Johan gate entlang spazierte, muss er genau die gleiche Art Menschen getroffen haben, die in seinen bekanntesten Stücken vorkommen.

Ibsen ist dafür bekannt, das Theater von Rittern, Feen, Hexen und ähnlichen Charakteren in unterschiedlichen Handlungen befreit zu haben. Stattdessen führt er uns in Stücken wie Nora, Gespenster, Hedda Gabler und Die Wildente in die Wohnzimmer der normalen Bürger und zeigt das bürgerliche Leben mit seinen vielen dunklen, streng gehüteten Geheimnissen. Er forderte das gerade befreite Europa heraus, seine Laster und Heuchelei zu hinterfragen, was sowohl Empörung als auch Erstaunen auslöste. 

… ein Blick auf die Uhr, und dann weiter zum Grand Café.

Down Karl Johan, Oslo's main street
Down Karl Johan, Oslo's main street
Photo: VisitOSLO/Didrick Stenersen

Auf der Karl Johan Straße blieb Ibsen stets vor der Uhr stehen, die im Fenster des Hauptgebäudes der Christiania Universität hing (und immer noch hängt), um sich zu vergewissern, dass er pünktlich war und zu prüfen, ob seine Taschenuhr richtig ging. Dann ging er noch ein paar Blocks weiter bis zum Grand Café. 


Die Genauigkeit, die in Ibsens täglichem Leben ersichtlich war, ist auch kennzeichnend für seine Werke. Jeder norwegische Gymnasiast, der die obligatorische Interpretation der Wildente vorgenommen hat, wird eifrig bestätigen, dass jede Zeile, Geste und jedes Requisit in Ibsens Stücken eine tiefere Bedeutung hat und ein sorgfältig eingepasstes Teil in einem größeren Bild ist. Einige finden die Allgegenwärtigkeit von tieferen Bedeutungen und Anspielungen etwas übertrieben, während andere diese Vielschichtigkeit schätzen.

Wir lassen es bei der Diskussion bewenden und lassen Ibsen um Punkt 12.00 Uhr mittags das Grand Café betreten. Das Café ist ein traditioneller Treffpunkt für Schriftsteller, Künstler, Intellektuelle und Diplomaten, und Ibsen traf hier ab und zu bekannte Zeitgenossen, wie Edvard Munch, und saß mit ihnen zusammen. Das faszinierende Leben im Grand Café ist jedoch eine andere Oslo-Geschichte. 

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