Oslo-Motive in Edvard Munchs Werke

Oslo-Motive in Munchs Kunst

Einige Verknüpfungspunkte zwischen Munchs Leben, Munchs Werke und der Stadt.

Oslo, oder Kristiania, wie die Stadt zu Edvard Munchs Zeiten hieß, kann nicht als ein zentrales Motiv in Munchs Kunst bezeichnet werden. Aber einige Orte in und um Kristiania, die für Munch zu unterschiedlichen Zeiten wichtig waren, sind auch auf seinen Bildern zu sehen und zeigen uns einen Blick auf die Stadt, wie Munch sie sah.

 

Karl Johans gate

Der obere Teil der Straße Karl Johans gate, vom Platz Egertorget in Richtung Schloss, verknüpft mehrere zentrale Orte in Munchs Leben. Im Gebäude „Pultosten“ am Stortings Platz mietete er als junger Künstler ein Atelier und erhielt Anleitung durch den Maler Christian Krohg. Das Grand Café, ein beliebtes Lokal und Treffpunkt für diverse Strömungen in der Kunstszene Kristianias, lag nur einen Katzensprung entfernt. Blomqvist Kunsthandel, wo Edvard Munch mehrere seiner wichtigsten Ausstellungen hatte, war in Karl Johans gate 35. Im gleichen Block lagen auch die Räumlichkeiten, in denen 1904 das Hauptwerk Lebensfries ausgestellt wurde. 

 

Auf mehreren von Munchs Bildern ist dieses Stück der Karl Johans gate zu sehen. Damals wie heute war die Karl Johans gate die Flaniermeile der Stadt, und die Bilder zeigen die Einwohner, die „auf Karl Johan spazieren“. Unterschiedliche Witterungsbedingungen und Jahreszeiten vermitteln verschiedene Eindrücke der Straße. Die Karl-Johan-Gemälde sind größtenteils naturalistisch, manche nahezu impressionistisch, wie Frühlingstag auf Karl Johan (Hauptbild oben).

 

Karl Johan
Karl Johan
Photo: Herman Neupert/Oslo Museum / Edvard Munch/KODE Bergen

 

Das angsterfüllte Bild Abend auf Karl Johan (1891) ist wiederum von ganz anderer Art. Es zeigt die Karl Johan gate gesehen und gemalt vom Expressionisten Munch.  

 

Der Schrei und der Kristianiafjord

Der Schrei ist Edvard Munchs berühmtestes Motiv: Ein angsterfülltes Gesicht in einer verzerrten Landschaft vor einem blutroten Himmel. Die Inspiration zu diesem Motiv soll Munch auf einem Abendspaziergang am Ekeberghang, einem beliebten Ausflugziel der Einwohner Kristianias, bekommen haben. Munch schrieb selber einen Text, der mit diesem Motiv verbunden ist:

 

„Ich ging mit zwei Freunden den Weg entlang – die Sonne ging unter. Ich spürte einen Hauch von Wehmut. Der Himmel wurde plötzlich blutrot. Ich blieb stehen, lehnte mich todmüde an den Zaun – sah die flammenden Wolken wie Blut und Schwerter – den blauschwarzen Fjord und die Stadt. Meine Freunde gingen weiter – ich stand dort, zitternd vor Angst – und ich fühlte einen großen unendlichen Schrei durch die Natur.“

 

View from Ekeberg
View from Ekeberg
Photo: Nasjonalgalleriet / VisitOSLO/Tord Baklund

 

Der Schrei ist vor allem eine innere Landschaft und eine Abstraktion, ein Bild des modernen, angsterfüllten Menschen. Die Konturen der tatsächlichen Aussicht vom Ekeberghang zum Fjord sind trotzdem zu erahnen, mit der Bucht Bjørvika, wo heute unter anderem die Oper liegt und der Landzunge mit der Festung Akershus im Hintergrund.

Ekely

Nach den frühen Reifejahren in Kristiania verbrachte Edvard Munch viel Zeit im Ausland. Wenn er in Norwegen war, hielt er sich größtenteils weiter südlich im Land auf. 1916 zog er jedoch zurück in die Kristiania-Gegend, auf den Grundbesitz Ekely am Stadtrand.

Aufgrund verschiedener persönlicher Konflikte bezeichnete Munch Kristiania ab 1900 meist als „Stadt des Feindes“, und auf Ekely lebte er größtenteils zurückgezogen und isoliert. Künstlerisch war er immer noch produktiv. Ekely ist auf vielen Bildern zu sehen, die verschiedene Ereignisse und Zeiträume der späten Jahre Munchs dokumentieren.

 

Munch's home at Ekely
Munch's home at Ekely
Photo: The Munch Museum/ E. Munch: Epletre i Hagen/Munch Museum

Henrik Ibsen im Grand Café


Das Grand Café
, die Institution auf der Paradestraße Karl Johan, wurde 1874 eröffnet. Das Café wurde schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Kristianias Künstler, Denker und Zecher. Anfang der 1890er Jahre traf der damals aufstrebende Edvard Munch den alten und weltberühmten Bühnenautor Henrik Ibsen einige Male in dem Café.

Munch hegte eine lebenslange Faszination für Ibsen und hinterließ rund 500 Skizzen, Zeichnungen, Gemälde, Holzschnitte und Lithografien mit Motiven aus Ibsen-Stücken. Munch malte auch mehrere Portraits des alten Ibsen im Grand Café.

 

 

Henrik Ibsen at Grand Cafe
Henrik Ibsen at Grand Cafe
Photo: Munchmuseet
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